

|
Kieler
Nachrichten 19.8.05
City am Hafen - Die Großzügigkeit
der Hansestadt lässt sich in der HafenCity fühlen
Auf der großen Baustelle kehrt Leben ein: Der erste Abschnitt des
Mega-Projekts HafenCity ist fertig. Am zentralen Platz des neuen Stadtteils,
den Magellan-Terrassen, hat das erste Cafe aufgemacht. Die ersten Mieter
haben Büros und Wohnungen bezogen. Neugierige Flaneure -Hansestädter
wie Touristen -strömen in Scharen in das schicke Viertel am Wasser
und staunen. - Von Jan Dube
Am Sandtorhafen, auf der Südseite der Speicherstadt, legten einst
Schiffe aus aller Welt an und löschten ihre Ladung. Diese Zeiten
sind vorbei, der Hafen hat sich weiter Richtung Elbmündung verlagert.
Seit kurzem säumen futuristische Klötze mit spiegelblanken Glasfassaden
das Ufer am Sandtorkai, aus ihren Lofts und von ihren Baikonen aus blicken
die ersten Bewohner auf das Areal ihres neuen Stadtteils, der noch zum
größten Teil eine Baustelle ist. Am Ende des ehemaligen Hafenbeckens
aber geht ihr Blick auf ein architektonisches Juwel: die Magellan-Terrassen.
Wie ein Amphitheater ist der fast 5000 Quadratmeter große Platz
angelegt. Auf drei Ebenen und zahllosen Betontreppen finden hier bis zu
4000 Menschen Platz. Die katalanische Architektin Benedetta Tagliabue
hat das 3,5 Millionen Euro teure städtebauliche Prunkstück entworfen.
Benannt ist der Terrassenplatz, in dessen Boden Ornamente eingelassen
sind und dessen Außenmauern Fischmotive zieren, nach dem portugiesischen
Entdecker Ferdinand Magellan (1480-1521) .

Um das neue Viertel zu beleben, haben die Hamburgische Kulturstiftung
und die Hafencity Hamburg GmbH im Frühsommer den Wettbewerb „Kunst
und Kultur in der HafenCity 2005" ausgerichtet. Acht Künstler
mit ihren Projekten wurden aus 164 Bewerbern ausgewählt. Sie präsentieren
noch bis zum Herbst in der HafenCity ihre Ideen und Installationen.
Eine der Auserwählten ist die freie Künstlerin Katharina Kohl.
Sie steht an den Wochenenden hinter der Theke ihres Kunst-Imbiss am Kaiserkai.
An dem Wagen kann sich der Besucher statt mit Currywurst mit kalorienarmer
geistiger Nahrung versorgen. „Wir haben für die Besucher eine
ambulante Kunstversorgung im Angebot", erzählt Katharina Kohl.
Dazu gehören eine Katalog-Bibliothek, ein Monitor mit zeitgenössischer
Videokunst und jede Menge Infos über die freie Kunstszene in der
Elbmetropole. Auch Kunst zum Sofortkauf hält die Malerin bereit:
Bilder ab 20 Euro, Mini-Skulpturen, Drucke. „Wir verkaufen hier
tatsächlich etwas", sagt sie zufrieden.
Bei Katharina Kohl gibt es auch Informationen zu den anderen Projekten
des Wettbewerbs. Da ist zum Beispiel „Mami Wata's Easy-Easy Foundation",
eine mystische Filmvorführung des Künstlers Dirk Meinzer, die
jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit auf eine weiße Fläche
an den Magellan-Terrassen projiziert wird. Die Stars auf der Leinwand:
tanzende Seekühe.
An gleicher Stelle finden an manchen Sommerabenden auf der Lesebühne
„Hamburger Ziegel" moderierte Veranstaltungen mit Hamburger
Autoren statt, die aus ihren Werken lesen. Nächster Termin ist der
1. September (20 Uhr).
Mit einer weiteren Licht-Installation wird allabendlich der Kaispeicher
A beleuchtet - jener Backsteinklotz, der schon bald als Sockel für
Hamburgs künftiges Wahrzeichen, die „Elbphilharmonie",
dienen soll. Auf die Mauern an der Ost- und Westseite des Speichers wirft
die Künstlerin Katrin Bethge, untermalt von typischen Hafenklängen,
bewegliche Bilder mit Motiven aus der Geschichte des Speichers und seiner
Zukunft als Kulturtempel. In dem ersten und einzigen Restaurant am Platz,
dem „Chilli Club", legt der DJ auf, und bis zum Beginn der
Dämmerung üben Jugendliche sich auf den Treppen in Skateboard-Akrobatik.
Für sie ist der neu geschaffene Platz die coolste Skateboard-Location
der Hansestadt. „Nirgendwo kann man besser skaten als hier",
sagt David (14), holt Schwung und springt mit seinem rollenden Brett drei
Stufen hinab. Noch sind die Jungs hier geduldet, noch kommen sich Flaneure,
Pärchen und Skateboarder auf der weitläufigen Piazza nicht ins
Gehege.
Um die Magellan-Terrassen herum stehen noch Bauzäune und Bagger,
Mischmaschinen und Kräne. Die umliegenden Gebiete werden kaum vor
2007 fertig sein, die letzten Abschnitte sogar erst 2025. Wer mehr über
das Bauprojekt, das eines der größten in Europa ist, erfahren
möchte, kann sich die HafenCity im Kesselhaus in der Speicherstadt
an einem Modell erklären lassen. Und am Grasbrookhafen, dort, wo
Kreuzfahrtschiffe wie die „Queen Mary" festmachen, steht ein
orange Aussichtsturm, von dem aus die Besucher das ganze Baugebiet und
den übrigen Hafen überblicken können.
Die Schiffe kommen wieder, die Menschen kommen und staunen, eine neue
Buslinie macht auch schon in dem neuen Stadtteil halt, und eine neue U-Bahn-Linie
ist bereits beschlossene Sache. Die HafenCity lebt. Von Tag zu Tag mehr.
HafenCity InfoCenter im Kesselhaus Am Sandtorkai 30 20457 Hamburg Tel.
040/36901799
Jeden Sonnabend um 15 Uhr kostenlose
Führung (Treffpunkt: Kesselhaus)
Internet: www.hafencity.com
www.kunst-imbiss.de
|